Heute war ein nachdenklicher Tag

Die Sonne brennt auf den Asphalt, keine Menschenseele auf der Straße. 16:00 Uhr. Die Stadt ist wie leer gefegt. Ich gehe in einen Krimskramsladen, um einen Wischer und Lappen zu kaufen. An der Kasse, nach dem Bezahlen, lasse ich den Schrubber stehen. Stelle mich in die Sonne und versuche nicht zu schwitzen. Öffne mir eine Taschensalami, die ich gerade gekauft hatte im Krimskramsladen und denke so über die Welt nach. Laufe in den klimatisierten Supermarkt und stöbere in den Zeitschriften. Wieder stelle ich fest, dass es Monat für Monat, Jahr für Jahr die gleichen Themen auf den Zeitschriften sind, mit denen geworben wird. Liebe, Sex und Zärtlichkeit. So finden Sie Ihren Traumpartner. Noch besserer Beischlaf. Ein hübsches strahlendes Lächeln mit neuer Frisur und einen attraktiven Körper mit neuer Schönheitsformel. Die Fotomagazine preisen die neuste Technik an, bieten Aktworkshops und behaupten, sie würden uns nun wieder ganz geheime Tricks für die Bildbearbeitung verraten. Bei den Männermagazinen sieht es ähnlich aus. Teure Autos, die wir auf unseren Straßen nicht fahren können, weil sie zu tief am Asphalt sind. Zu teuer im Unterhalt oder nur mit entsprechender Frau an der Seite des Mannes auch zum Angeben taugen. Die passenden Geschöpfe gibt es ein paar Seiten weiter, leicht bekleidet, meist Anfang 20. Doch kann ein Mann so eine Frau wirklich wollen? (auf diese philosophische Frage will ich hier nicht weiter eingehen). Und die Computerabteilung verspricht uns auch wieder Hardware, die modern sein soll, und schon in der nächsten Ausgabe nicht mal mehr zum Briefe Schreiben taugt. Software soll wieder einmal den PC optimieren und Spiele versprechen noch mehr Spielspaß und bessere Grafik. Es ist wie schon im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier". Nur eben für mich nicht, außer dass der Zeitungsstand nichts aufregendes mehr zu bieten hat. Im Internet sieht es ja mittlerweile ähnlich aus.

Zurück zum eigentlichen. Die Straßen waren nun leer, wie kam es. Gegen 17:00 Uhr rasen plötzlich Autos umher und es knallt links und rechts von mir. Kracher und Raketen, wohl noch von Sylvester übrig geblieben, erhellen die Stadt, es war Fußball. Ich wusste nicht einmal wer spielt. Mir auch egal. Ich dachte nur "Mist, ich habe doch irgendwo nen Stab in der Hand gehabt". Ja, meinen Schrubber hatte ich im Krimskramsladen vergessen. Kurz zurück gelaufen und eingesammelt. Versucht nicht zu zerschmelzen bei der Hitze und dann langsam nach Hause. Dabei aufgepasst, dass ich nicht von wilden Donnerern angesteckt und angezündet werde und mir mein Trommelfell nicht platzt. Und mir wurde wieder bewusst, ich muss doch auch etwas an mir haben, was einfach den Lärm nicht mag. So wie heute der Junge in dem Film, den ich am Vormittag gesehen hatte.

"Ich bin Khan"